Konzept Trainingsraum

Sparmodell: Wandertrainigsraum auf Abruf

Vorüberlegung:

Die zunehmenden Unterrichtsstörungen sind eine große Belastung für das Unterrichtsklima, für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Durch die häufigen Störungen verliert der Unterricht an Schwung, Tiefe und Qualität. Es kommt zu einem „Stopp-and-go“-Unterrichtsgeschehen und damit leidet die Effektivität des Unterrichts. Lehrer/-innen stehen vor dem Dilemma, nur die interessierten Kinder zu unterrichten, die Störer zu ignorieren oder gegebenenfalls drastisch zu reglementieren und immer wieder den Unterricht für notwendige pädagogische Maßnahmen unter-brechen zu müssen. Alle bisherigen Maßnahmen wie „SMS“ (Schüler – Starkmach – Stunden), Gewaltpräventionsprojekte, Streitschlichtermodell und „ progressive Muskelentspannung“ haben bei einer nicht unwesentlichen Anzahl von Kindern nicht den gewünschten Erfolg gezeigt.
Dieser Entwicklung, besonders in den letzten drei Jahren, wollen wir mit dem „sozialen Trainingsraum“ begegnen.

Ziele:

  1. Das erste und wesentlichste Ziel des Programms besteht darin, die lernbereiten Schüler/innen zu schützen und ihnen entspannten, ungestörten und qualitativ guten Unterricht anzubieten.
     
  2. Das zweite Ziel des Programms besteht darin, häufig störenden Schüler/innen Hilfen anzubieten, die darauf ausgerichtet sind, dass sie ihr Sozialverhalten verbessern und die notwendigen sozialen Schlüsselqualifikationen erwerben.

Da es nicht in der Macht der Lehrer/innen liegt zu bestimmen, ob ein verhaltensschwieriger Schüler diese Hilfen auch annehmen möchte, kann ein Fortschritt in diesem Bereich nicht in jedem Einzelfall erwartet und garantiert werden. Die Schule kann aber mit dem Programm den lernbereiten Schüler/innen einen entspannteren und weniger oft und stark gestörten Unterricht garantieren. Davon profitieren nicht zuletzt auch die Lehrer/innen selber.

Die Methode:

Die Methode basiert auf drei Grundregeln:

- Jeder Schüler hat das Recht ungestört zu lernen.
- Jeder Lehrer hat das Recht ungestört zu unterrichten.
- Jeder muss immer die Rechte der Anderen respektieren.

Wenn ein Schüler in der Klasse den Unterricht stört, wird er respektvoll ermahnt und gefragt, ob er sich lieber an die Regeln halten möchte, oder ob er in den Trainingsraum gehen möchte. Wenn der Schüler nicht einlenkt, dann muss er in den Trainingsraum gehen.

Wichtig bei diesem Prozess ist, dass dem Schüler seine Situation deutlich gemacht wird und er in seiner Verantwortung für sich als Handelnder, der den Fortgang der Situation bestimmen kann, entscheidet, was passieren soll.

Frageprozess:

1. Was machst du?
2. Gegen welche Regel verstößt du?
3. Willst du weiter am Unterricht teilnehmen ohne zu stören?
4. Wenn du wieder störst, was passiert dann?

Personalprobleme:

An einer kleinen Grundschule wird es nicht immer möglich sein, kompetentes Personal für den Trainingsraum bereitstellen zu können. Das Kollegium, die Pädagogischen Mitarbeiter und vorgebildete Eltern sollten in die Methode eingeführt werden, um das Ziel 2 der Methode erreichen zu können. Diese Personengruppe wird jedoch nicht alle Unterrichtswochenstunden den Trainingsraum besetzen können, so dass, um Ziel 1 zu erreichen, evtl. eine 1,50 €-Kraft, der Hausmeister oder sonstige geeignete Personen mitarbeiten müssen.

Zeitlicher Umfang:

Störungen vor der ersten großen Pause sind selten, so dass erfahrungsgemäß hier keine Probleme auftreten und somit keine Besetzung des Trainingsraums erforderlich ist (in Ausnahmefällen ist der Schulleiter zuständig). Das gleiche gilt in der Regel für den AG Block.
Somit ergibt sich eine „Trainingsraumbereitschaft“ in 15 der 27 im Plan ausgewiesenen Unterrichtsstunden.
Diese 15 Std. werden je nach zur Zeit gültigem Stundenplan in folgender Priorität besetzt durch:

1. Lehrkraft in Springstunde (beim Einsatz werden Plusstunden angerechnet)
2. Lehrkraft in Doppelbesetzung (inkl. Förderschullehrkräfte)
3. Bürostunden Schulleiter
4. 1,50 €-Kraft
5. Hausmeister

Eltern mit entsprechender Befähigung können ebenfalls fest in den Plan eingebaut werden. (Plan für 2. Schulhalbjahr 2009/2010 als Beispiel in den Anlage)

Raumproblem:

Wir haben an unserer Schule keinen Raum, der in der Schulwoche verlässlich frei ist, so dass ein „Wandertrainingsraum“ die einzige Alternative darstellt. Grundsätzlich ist der Musikraum (Raum 6) in den erforderlichen Trainingsraumstunden am wenigsten belegt, so dass es sich anbietet, den Trainingsraum dort zu installieren. Als Ausweichmöglichkeit bieten sich Bücherei und Werkraum an. Die Räumlichkeit wird im „Trainingsraumplan“ mit festgehalten, damit jederzeit Klarheit besteht, wo es hingeht.

Trainingsraum auf Abruf: (Modell für kleine Grundschulen)

In großen Schulen mit mehreren hundert Schülerinnen und Schülern wird ein Trainingsraum ausreichend ausgelastet werden und es stehen größere personelle Ressourcen zur Verfügung. Die Auslastung wird in kleinen Grundschulen eher punktuell sein, so dass die Trainingsraum(lehr)kraft anderen Tätigkeiten nachgehen kann und nur im Bedarfsfall den Trainingsraum besetzt. Dieser „Trainingsraum auf Abruf“ bedarf einer besonderen Organisation:

  • Kommt es zum Ausschluss aus der Klasse, schickt die Lehrkraft den „Störer“ mit einem anderen Kind und einem Laufzettel zur Trainingsraum(lehr)kraft. Der Aufenthaltsort dieser Trainingsraum(lehr)kraft ist im Trainingsraumplan (im Klassenbuch) festgehalten.
  • Die Trainingsraum(lehr)kraft geht dann mit dem „Störer“ in den für diesen Zeitpunkt festgelegten Trainingsraum.
  • Sollte die Situation es erfordern (Aufsichtsproblem), wird die Trainingsraum(lehr)kraft durch ein Kind benachrichtigt und holt dann selbst den „Störer“ aus dem Unterrichtsraum ab.

Personelle Besetzung:

Grundsätzlich sollte nur besonders geschultes Personal im Trainingsraum arbeiten. Nur so lässt sich Ziel 2 (häufig störenden Schülern/Schülerinnen Hilfen anbieten) erreichen. Dies soll langfristig durch schulinterne Fortbildung/Einweisung in die Methode sichergestellt werden.

Information der Schüler/innen und deren Eltern im Vorfeld der Einführung:

Die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Einrichtung des Trainingsraums stellt ein zentrales Element zum Gelingen der Methode dar.

Zu Beginn des Schuljahres (Schulhalbjahres) sollen alle Schüler mit den Regeln und ihrer Bedeutung vertraut gemacht werden.
Im Klassengespräch wird die Notwendigkeit der einzelnen Regeln für einen ungestörten und erfolgreichen Unterricht besprochen.
In jedem Unterrichtsraum der Schule werden die Grundregeln sichtbar angebracht. Die Erziehungsberechtigten werden über ein Informationsschreiben und die zu Schuljahresbeginn stattfindenden Elternabende über das TR-Programm informiert.
Die Einbindung der Eltern in die Planungs- und Entscheidungsprozesse ist durch die Beteiligung von GK, SV und SER gewährleistet.

Konsequenzen:

Beim ersten und zweiten Besuch des Trainingsraumes (innerhalb des Schulhalbjahres) erfolgen noch keine Konsequenzen. Die Besuchshäufigkeit wird durch die Laufzettel in einer Mappe dokumentiert werden.
Beim 3. Mal werden die Eltern von der Klassenlehrkraft zu einem Gespräch ein-geladen. Sollten die Probleme mit dem Kind im Fachunterricht aufgetreten sein, ist die Teilnahme der entsprechenden Lehrkraft an dem Elterngespräch sinnvoll.
Nach weiteren Besuchen durch das gleiche Kind behält sich die Schule Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen vor.

Verhält sich der Schüler im Trainingsraum nicht angemessen ruhig, so werden die Eltern aufgefordert ihr Kind abzuholen.

Den Zeitpunkt der Rückführung in den Klassenverband entscheidet die Trainingsraum(lehr)kraft. Dies ist immer dann sinnvoll, wenn das Kind Einsicht in sein Fehlverhalten zeigt (Bearbeitung „Mein Plan“, Gespräch) und eine Beruhigung der Situation zu erwarten ist.

Eine Teilnahme an den Pausen soll nur aus dem Klassenverband heraus erfolgen und nicht aus dem Trainingsraum.

Diesen Artikel als pdf-downloaddownloads: 75 | type: pdf | size: 0 kB

Stundenplan Sozialer Trainingsraumdownloads: 79 | type: pdf | size: 0 kB

Laufzetteldownloads: 89 | type: pdf | size: 0 kB

Mein Plandownloads: 85 | type: pdf | size: 0 kB